Der beliebte Fernseharzt fand die Videobewerbung der Nordeifel.Werkstätten sehr sympathisch: „Das müssen wir machen!“ – Beschäftigte hatten knifflige Fragen auf Lager

„Wir sind alle total aufgeregt“, berichtete Jasmin am vergangenen Donnerstag, kurz bevor Heinz-Wilhelm Esser, besser bekannt als „Doc Esser“ vom WDR, bei den Nordeifel.Werkstätten (NE.W) Standort Zingsheim ankam. Dort arbeiten Menschen mit verschiedensten Behinderungen je nach Fähigkeit und Interesse in Arbeitsbereichen von Verpackung bis Saunabau. In der eigenen Schreinerei „Holzmanufaktur“ arbeitet auch Jasmin, und die hatte gesundheitliche Fragen zu Saunagängen, die vor Ort niemand beantworten konnte. „Fragen wir doch Doc Esser!“, sagte Jasmin.
Zusammen mit dem Social-Media-Team der NE.W Zingsheim und dem Schreiner und Betreuer Simon nahm Jasmin dann ein Bewerbungsvideo auf, das Doc Esser begeisterte: „Das müssen wir machen!“, sagte er zu seinem Team und nahm direkt einen Tag nach der Bewerbung Kontakt auf. Rund 30 Beschäftigte mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen empfingen dann Doc Esser vor Ort. Doc Esser schien eher zu einer vertrauten Familienfeier zu kommen als zu einem Arbeitstermin: Gut gelaunt, mit viel Wertschätzung für die Menschen mit Behinderung und Lob für die ausgeklügelten Fragen, die sie vorbereitet hatten, war er sofort „mittendrin“.
„Der ist supernett“, meinte Jasmin begeistert. Trotz Anschlusstermin nahm sich der Lungenfacharzt, Autor und tourende Musiker viel Zeit und fühlte sich sichtlich pudelwohl bei den NE.W. Aus der Runde kamen dann, von Simon moderiert, die Fragen rund um den Saunagang. So erklärte Doc Esser, dass der Saunagang sehr wohltuend sein und gesundheitlich viele positive Auswirkungen haben kann – solange man es nicht übertreibt, sich in und nach der Sauna wohlfühlt und die Regeln einhält. „Alkohol und Sauna ist ein No-Go“; betonte er etwa, das Gleiche gelte natürlich auch für Drogen, die man sowieso nicht nehmen solle.

Manche Herzmedikamente würden sich auch nicht gut mit Sauna vertragen, so dass man dies mit dem betreuenden Arzt oder der Ärztin absprechen sollte. Auch Asthmatiker und Allergiker müssten aufpassen, besonders Aufgüsse mit ätherischen Ölen etwa könnten Probleme bereiten. Manchen Asthmatikern würde die Sauna aber durchaus guttun, was „Profi-Saunagänger“ Simon – selbst Asthmatiker – sofort bestätigte. Die Sauna sei selbst für kleinere Kinder möglich, auch wenn dort der Spaß im Vordergrund stehen sollte und sowohl Temperaturen wie Zeiten deutlich geringer als für Erwachsene gewählt werden sollten. Für gesunde Erwachsene werden acht bis fünfzehn Minuten bei zwei bis drei Saunagängen empfohlen. Wichtig sei aber immer, auf den Körper zu hören: „Wenn man etwa merkt, dass der Kreislauf runter geht – sofort raus aus der Sauna!“, so Doc Esser. Auch eher ungewöhnlichen Fragen wich der Doc nicht aus und betonte, dass es keine dummen Fragen gebe: „Ich finde es toll, dass ihr auch Fragen stellt, die viele im Kopf haben, sich aber nicht zu stellen trauen.“ So gab er auf Nachfrage den Tipp, bei einer Erektion in der Sauna schnell ein Handtuch darüber zu decken und am besten die Sauna zu verlassen, damit niemand sich belästigt fühlt oder sogar Angst bekommt. Den Bieraufguss, der durchaus würzige Gerüche in die Sauna bringen kann, verwies er in den Bereich des „Events“, positive gesundheitliche Einflüsse sieht er da nicht.
Auch zum Abnehmen tauge die Sauna leider nicht wirklich, da man dort hauptsächlich Wasser verliere. „Die Sauna kann aber den Stoffwechsel aktivieren“, so Doc Esser, und habe zahlreiche andere positive Effekte wie etwa die bessere Gewöhnung an Kälte und Hitze. Beim Abkühlen solle man vorsichtig mit lauwarmem Wasser am rechten Bein, also möglichst weit weg vom Herzen, beginnen und erst nach und nach mit kaltem Wasser den Körper weiter kühlen. „Das Eisbecken nach der Sauna ist nur was für Profis, die regelmäßig in die Sauna gehen“ – was durchaus auch täglich ginge, wenn man mag und es verträgt und den Wasser- und Mineralverlust durch das Schwitzen wieder ausgleicht.

Selbst mit Prothesen und Implantaten könne man meist in die Sauna, man solle dies aber mit dem Arzt absprechen, denn etwa ältere Modelle von Herzschrittmachern kämen nicht immer gut mit den Anforderungen in der Sauna klar. Mit offenen Wunden – und dazu gehöre auch ein frisch gestochenes Tattoo – sollte man auf keinen Fall in die Sauna gehen. Nicht nur aus eigenem Interesse, sondern auch aus hygienischen Gründen für alle anderen Saunagänger.

Nach dem Gespräch betonte Doc Esser, wie sehr ihm die Atmosphäre bei den NE.W gefallen habe, alles sei sehr wohlwollend und mit viel Augenmerk und Rücksicht auf andere gewesen: „Das weiß ich sehr zu schätzen, gerade in der heutigen Zeit, wo ja oft das Ellenbogendenken herrscht.“ Von solchen Terminen nehme er auch persönlich viel mit: „Wenn ich da nach Hause fahre, fahre ich deutlich glücklicher und zufriedener nach Hause. Wenn man sieht, wieviel Lebensfreude und Optimismus hier herrscht und sich davon etwas mitnimmt, ist das ein echter Benefit! Und ich nehme hier heute sehr viel mit.“
„Doc Esser“ ist vielen aus dem WDR-Format bekannt. Er engagiert sich aber vielfältig und auf Augenhöhe auch für Menschen, die gesellschaftlich immer noch nicht den Respekt genießen, den sie verdient haben. So hilft er etwa auch in der Kölner CAYA-Praxis, wo wohnungslose und bedürftige Menschen eine medizinische Basisversorgung bekommen.